Kirchen im Selfkant

Havert

St. Gertrud, Havert

In Havert soll, nach der Ortsüberlieferung, der hl. Willibrord (+ 739) das Christentum gepredigt haben und danach an die Stelle eines heidnischen Tempels eine Kapelle errichtet worden sein, die später der karolingischen hl. Gertrud von Nivelles (+ 653 oder 659) geweiht wurde. Urkundlich ist zum ersten Mal die Kirche 1118 erwähnt, als Graf Gerhard von Wassenberg bei der Stiftung des Kollegiatstifts diesem die Kirche schenkte. Seit 1280 übte das Stiftskapitel die Kollatur aus. Pfarrer war wohl stets ein Wassenberger Stiftsherr. 1533 hielten schon etliche Leute ihren eigenen Gottesdienst andernorts als in einer Kirche ab; dagegen war 1559 von Andersgläubigen keine Rede mehr. Der Pfarrer Johannes Merckelbach wurde 1582 "jemerlich erstochen". Damals hatte die Kirche einen Marienaltar, der schon 1330 bestand, und einen Barbaraaltar, gestiftet von den Herren von Wambach auf Haus Wammen, dazu die Kapelle in Isenbruch. Bis 1802 gehörte Havert zum Landdekanat Susteren, Archidiakonat Kempenland im Bistum Lüttich; dann bis 1822 zum Kanton Sittard im Bi-stum Aachen, von 1827-1925 zum Dekanat Heinsberg und danach zum Dekanat Gangelt. Bis nach dem letzten Krieg stand die zweite Pfarrpatronin, die hl. Odilia in hoher Verehrung. An ihrem Festtag, dem 17. Juli, und dem darauf folgenden Sonntag war die Kirche Ziel einer Wallfahrt.

Über die 1118 erwähnte Kirche ist nichts bekannt. 1525 wurde ein neuer Kirchturm gebaut; ob das Langhaus, bestehend aus einem Haupt- und Nebenschiff, damals schon stand, ist ebenfalls unbekannt. 1842 wollte man ein neues Langhaus bauen nach Plänen von Johann Baptist Cremer. Wegen Unstimmigkeiten in der Gemeinde wurde 1858 ein von Baumeister Faulenbach entworfener Plan genehmigt. 1863 wurde das Langhaus abgebrochen; unter Leitung von Johannes Burkart, Aachen, wurde 1864 der Neubau errichtet; der wuchtige Westturm aus 1525 blieb erhalten. 1904 wurde er um ein neues Glockengeschoß erhöht nach Plan von Heinrich Gottfried Daniels. Am 11. Oktober 1944 wurde der Turm gesprengt, wodurch die Kirche stark beschädigt wurde. Am 21. November 1949 konnte die wiederaufgebaute Kirche geweiht werden. 1966 wurde die dreischiffige, harmonische Anlage leider zu einem Saal mit Holzdecke umgestaltet (Peter Salm, Aachen) und am 24. Oktober 1971 der neue Altar geweiht.

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