Kirchen im Selfkant

Millen

St. Nikolaus, Millen

Die Pfarrkirche Millen ist hervorgegangen aus der Eigenkirche der Herren von Burg Millen. Diese schenkten die Kirche der Benediktinerabtei Siegburg zu Zeiten des dortigen Abtes Kuno I. (1105-26), der hier nach 1121 eine Benediktinerpropstei gründete. 1144 regelte Erzbischof Arnold I. von Köln (1138-1148) die Gütertren-nung zwischen den Pfarrgeistlichen und den Mönchen von Millen. Der Pfarrgottesdienst sollte am Nikolausaltar im Mittelschiff gehalten werden, den Mönchen stand der Gangolf- und Quirinus-Altar im Chor zur Verfügung. - Der hl. Quirinus von Neuß war im Verlauf der folgenden Zeit Ziel einer Wallfahrt und noch heute findet am ersten Maisonntag die Quirinusprozession mit Pferdesegnung statt. - Die Herren von Millen behielten das Patronatsrecht der Pfarrkirche und waren Vögte der Propstei. 1283 erhielten die Herren von Heinsberg das Patronatsrecht, nachdem sie die Burg Millen erworben hatten. Sie übertrugen es 1313 dem Millener Propst, 1341 wurde die Kirche der Propstei inkorporiert. 1499 fiel Millen an den Herzog von Jülich, so war 1533 der Jülicher Landesherr Patron der Kirche. 1582 war der Pastor Peter Perarius Landdechant des Dekanates Susteren, Archidiakonat Kempenland, Bistum Lüttich. 1804 wurde Millen Pfarre im Kanton Sittard, Bistum Aachen; gleichzeitig wurde Tüddern, bisher Filiale der Pfarre Millen, selbständige Pfarre. Die Propstei wurde aufgehoben. 1822 kam das Gebiet zum Erzbistum Köln. Von 1827-1925 war Millen Pfarre im Dekanat Heinsberg, danach im Dekanat Gangelt.

Im 10. Jh. (?) wurde eine Saalkirche mit eingezogenem, fast quadratischem Chor gebaut. Wohl nach Einrichtung der Propstei setzte man etwa 1121/26 im Westen vor diese Kirche ein etwas breiteres Schiff. Etliche Jahre später erweiterte man dieses Schiff durch ein schmales Seitenschiff an der Nordseite. An der Ostseite dieses Seitenschiffs baute man dann noch im gleichen Jahrhundert eine etwas breitere Kapelle mit halbrunder Apsis, die sogenannte Quirinuskapelle. Vor das Hauptschiff wurde, vielleicht im Anschluß daran, der Westturm gesetzt. In die Ostwand des Chores wurde aus einem Blaustein ein rundes Oculusfensterchen (Hagioskop) geschnitten, um auch von außen einen Blick auf den Altar zu haben. Im 17. Jh. erhielt die flachgedeckte Kirche eine Pliesterdecke. 1636 wurde die Quirinuskapelle und 1637 das Chorhaus reich mit Stuck im Stil des italienischen Barock versehen. 1644 baute man an die Südwand des Altarraums eine als Sakristei benutzte Kapelle (?). 1659 wurde auch der Turm erneuert. Die großen Fenster wurden 1859 in die Südwand des Hauptschiffs gebrochen, die Fensterrose ist aus 1894, im gleichen Jahr wurde am Seitenschiff außen die Nordwand erneuert und die Halbkreisapsis durch Blendarkaden gegliedert. Nach dem Krieg 1939/45 wurde die Kirche restauriert: 1954 durch die niederländische Denkmalpflege, 1964 die Stukkaturen in der Quirinuskapelle und 1977 im gesamten Altarraum.

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