Marienkapelle in Höngen „Unter den Linden“

Willi Hostenbach berichtet uns heute vom Bau einer kleinen Kapelle bei Höngen, gelegen in der Nähe des heutigen Altenheims St.Josef. Früher Haus Biesen oder einfach nur Kloster genannt.

Der Kapelle wurde der Name „Maria unter den Linden“ gegeben. Die Einsegnung fand durch den damaligen Pfarrer Johannes Szyrba statt. Beteiligt waren alle Personen, die mitge-arbeitet, gespendet oder irgendwie sonst sich an der Errichtung der kleinen Kapelle beteiligt haben. Diesen Festakt gestal-teten das Trommler-, Pfeiffer- und Fanfaren-korps sowie der Kirchenchor St. Cäcilia aus Höngen feierlich mit.

Die Errichtung der Kapelle ging auf das besondere Anliegen des Höngener Einwohners Werner Wilms zurück. Beauftragt mit Planung und Bauleitung wurde der Architekt Kurt Nysten. Der schlichte, in Kreuzform errichtete und aus braunrotem Klinker bestehende Bau, misst rund 10 Quadratmeter. Das Bethaus war ursprünglich mit einem verkupferten Türmchen versehen. Die Bleiverglasung der beiden Fenster bestehen aus je 189 Einzelteilen. Die Jahreszahl 1988, in einem Mergelstein graviert, wurde zum Nachweis der Erbauung im Giebel über der Eingangstür angebracht. Die Bodenfliesen stammen aus dem Abbruch eines im Jahr 1870 erbauten Hauses.

Die hanggeschnitzte Muttergottesstatue wurde von Willi Jansen, wohnhaft in Heilder, angefertigt. Eine Besonderheit stellt der geschliffene Bachkieselstein in der Mitte des Altars dar. Der Stein wurde 1987 von einer Wallfahrt mitgebracht, die Pilger zum inzwischen heiliggesprochenen Nikolaus von Flühe unternommen hatten.

Als schmückendes Beiwerk wurden neben der Kapelle Lindenbäume angepflanzt. Dadurch erklärt sich auch die Namengebung der schönen Kapelle.

Die junge Frau ist müde. Sie kommt von der Nachtschicht als Krankenpflegerin auf der Intensivstation und will noch eben, bevor sie sich zu Hause ausruhen will, die Kapelle putzen. Der Zeitpunkt an diesem frühen Morgen ist schlecht gewählt, um etwas von ihr, die „Pflegerin“ der Kapelle, zu erfahren. Mit dem Versprechen sie bei der Arbeit nicht aufzuhalten ist sie aber bereit, etwas über die Kapelle zu erzählen.

Ihr Vater, der Landwirt Werner Wilms geb. 20.08.1928, hatte immer schon den Wunsch, eine Kapelle zu errichten. Sie sollte in der Natur, möglichst am Waldrand in der Nähe des Klosters Haus Biesen gebaut werden. Mit anderen Bauern tauschte er Land, um in den Besitz des heutigen Standorts der Kapelle zu kommen.

Das Material und anfallende bürokratische Kosten bezahlte Werner Wilms aus eigener Tasche. Beim Bau halfen ihm seine Freunde unentgeltlich. Für die Maurerarbeiten waren dies, Hein Klaßen (Höngen), Josef Winkels (Großwehrhagen), Jan van Thoor (Höngen) und Willi Klaßen (Heilder). Als Schreiner und Zimmermann arbeitete Josef Hagmanns (Großwehrhagen), die Schmiedearbeiten erledigte Hubert Schmitz (Höngen).

Nach der Fertigstellung verbrachte Werner Wilms nach getaner Hof- und Feldarbeit viele Abendstunden in der Kapelle. Auch an Festtagen wie Heiligabend oder Sylvester, nachdem die Familie gemeinsam gefeiert hatte, verbrachte er danach noch manche Nachtstunden in der Kapelle.

Bis 1996 haben Werner Wilms und seine Frau Anna geb. Görtz sich um die Pflege der Kapelle gekümmert. Unterstützt wurden sie von ihren Töchtern. Nach dem Tod der Eltern erbte Josefine Thevissen geb. Wilms, genannt Fine, die Kapelle und das dazu gehörende Waldgrundstück. Heute sorgt sie mit ihrer Familie von Schalbruch aus für Ordnung und Sauberkeit in und an der Kapelle. Täglich werden neue Kerzen bereit gestellt und der Opferstock geleert. Aus dem Erlös der jährlich verbrauchten 4800 Kerzen wird regelmäßiger Blumenschmuck in der Kapelle aufgestellt.

Fine Thevissen weiß durch ihre regelmäßigen Besuche, dass Bewohner des Altenheims, wie z. B. Frau Wirtz und Frau Wallraven (beide haben bereits ihr neunzigstes Lebensjahr lange überschritten) oftmals den ganzen Tag in der Kapelle verbringen.

Leider wurde gegen Ende des Jahres 2014 die Kapelle mutwillig zerstört. Diebe raubten die kupferne Verkleidung des Turms, Regenrinnen und Fallrohre. Zurück blieb eine fast völlig zerstörte Dacheindeckung. Die Bezahlung der aufwendigen, noch nicht ganz fertiggestellten Reparatur wird aus eigenen Mitteln geleistet werden müssen. Da die Kapelle Tag und Nacht unverschlossen ist, kommt eine Versicherung für entstehende Schäden nicht auf.

So finanziell schmerzhaft diese Tat war, kann Fine Thevissen auch von einem Diebstahl berichten, der gut ausgegangen ist.

Vor langer Zeit wurden zwei in der Kapelle links und rechts an der Wand hängende Weihwassertöpfchen entwendet. Nach neun Jahren hingen sie plötzlich wieder an den Wänden. Auf der Rückseite hatte der reuige Dieb Gravuren hinterlassen. Damit entschuldigte er sich für seine Tat.

Fine Thevissen macht die Arbeit an der Kapelle gerne und sieht es auch jetzt, trotz ihrer Müdigkeit durch den gerade geleisteten Nachtdienst, nicht als Belastung. Auch kann sie jederzeit auf die Unterstützung ihrer Familie und Geschwister rechnen.

Liebe Fine Thevissen und Helferteam,

vielen Dank dafür, dass sie es uns ermöglichen, Tag und Nacht unsere Bitten, Wünsche und Anliegen der Mutter Gottes an diesem Ort vorbringen zu dürfen.

Für das Seelsorgeteam: F.-J. Stoffels