Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, sein Herz aber ist weit weg von mir. (Mk 7,6)

05 Woche im Jahreskreis Dienstag
Aus dem Heiligen Evangelium nach Markus – Mk 7,1-13
In jener Zeit hielten sich die Pharisäer und einige Schriftgelehrte, die aus Jerusalem gekommen waren, bei Jesus auf.
Sie sahen, dass einige seiner Jünger ihr Brot mit unreinen, das heißt mit ungewaschenen Händen aßen.
Die Pharisäer essen nämlich wie alle Juden nur, wenn sie vorher mit einer Handvoll Wasser die Hände gewaschen haben, wie es die Überlieferung der Alten vorschreibt.
Auch wenn sie vom Markt kommen, essen sie nicht, ohne sich vorher zu waschen. Noch viele andere überlieferte Vorschriften halten sie ein, wie das Abspülen von Bechern, Krügen und Kesseln.
Die Pharisäer und die Schriftgelehrten fragten ihn also: Warum halten sich deine Jünger nicht an die Überlieferung der Alten, sondern essen ihr Brot mit unreinen Händen?
Er antwortete ihnen: Der Prophet Jesaja hatte recht mit dem, was er über euch Heuchler sagte: Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, sein Herz aber ist weit weg von mir.
Es ist sinnlos, wie sie mich verehren; was sie lehren, sind Satzungen von Menschen.
Ihr gebt Gottes Gebot preis und haltet euch an die Überlieferung der Menschen.
Und weiter sagte Jesus: Sehr geschickt setzt ihr Gottes Gebot außer Kraft und haltet euch an eure eigene Überlieferung.
Mose hat zum Beispiel gesagt: Ehre deinen Vater und deine Mutter!, und: Wer Vater oder Mutter verflucht, soll mit dem Tod bestraft werden.
Ihr aber lehrt: Es ist erlaubt, dass einer zu seinem Vater oder seiner Mutter sagt: Was ich dir schulde, ist Korbán, das heißt: eine Opfergabe.
Damit hindert ihr ihn daran, noch etwas für Vater oder Mutter zu tun.
So setzt ihr durch eure eigene Überlieferung Gottes Wort außer Kraft. Und ähnlich handelt ihr in vielen Fällen.

Tagesimpuls:

Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, sein Herz aber ist weit weg von mir. (Mk 7,6)

Die Pharisäer sind gut im Kritisieren anderer. Sie sehen die Fehler bei den anderen. Sie haben Erwartungen an die anderen, die sie erfüllen sollen. An diese und jene Vorschriften muss man sich halten. Wer das nicht tut, ist bei ihnen unten durch, den verachten sie. Und so ist es bis heute. Viele Katholiken haben zum Beispiel hohe Erwartungen an die Priester: Bei welchem Fest oder Anlass sie zu erscheinen haben, wen sie bei welcher Gelegenheit zu besuchen haben, welche Dienste sie zu tun haben usw. Oft sind derartige Erwartungen heute nicht mehr zu erfüllen, weil sie aus einer Zeit stammen, in der noch viel mehr Priester im Dienst waren als heute. Aber darum geht es diesen Menschen nicht. Das wollen sie nicht sehen. Und um Jesus geht es ihnen auch nicht, sondern nur darum, dass der Priester alles so macht, wie sie es meinen, wie es richtig wäre.

Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, sein Herz aber ist weit weg von mir.

Aber das äußere Erfüllen von Traditionen ist nicht der Inbegriff des Christentums, wie diese Menschen es meinen. Wo ist unser Herz? Ist es bei Jesus? Und wenn unser Herz bei Jesus wäre, dann würden wir ganz anders reagieren auf Menschen, die unsere Erwartungen nicht erfüllen. Wenn unser Herz bei Jesus wäre, dann würden wir als erstes darauf achten, wie wir selber unseren Glauben leben, und nicht, ob die Priester oder die anderen Gläubigen das tun, was wir meinen, was sie tun müssten. Wenn unser Herz bei Jesus wäre, würden wir nicht andere kritisieren, sondern selber schauen, dass wir Jesus so gut wie möglich dienen.

Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, sein Herz aber ist weit weg von mir.

Es kann ja sein, dass ein Priester nicht tut, was er tun sollte. Ich denke immer: Wie würde Maria reagieren? Würde sie schimpfen? Würde sie sich aufregen? Würde sie über den anderen reden? Ganz gewiss nicht! Sie würde ermutigen, sie würde vielleicht, wenn es angebracht ist, in Liebe ermahnen, aber vor allem würde sie sich um Verständnis bemühen für den anderen. Könnten wir uns nicht alle vornehmen, aufzuhören, die anderen zu kritisieren, und stattdessen bei uns selber zu beginnen, Jesus so gut wie möglich nachzufolgen? Und hören wir damit auf, Menschen nach unseren Erwartungen zu beurteilen! Wir wissen nicht, was der andere kann, wo seine Grenzen sind. Und was früher einmal guter Brauch war, muss nicht für alle Zeiten so gelten. Die Lebenssituationen ändern sich, und jeder muss sich bemühen, den Willen Gottes für die heutige Situation zu erkennen und dementsprechend zu Handeln. Christentum besteht nicht in der Erfüllung von Traditionen und Erwartungen, sondern im Erfüllen dessen, was Gott heute von mir will. Achten wir darauf, dass unser Herz bei Jesus ist!

Gebet:
Jesus, hilf mir, auf mein Herz zu achten, statt andere zu kritisieren und nach meinen Maßstäben zu beurteilen. Es geht immer nur um dich, und nicht um äußerliches Erfüllen von Traditionen und Regeln. Jesus, ich will heute mein Herz ganz auf dich ausrichten, nur bei dir bleiben. Und ich bete für meine Mitmenschen, dass sie dich erkennen, und dass ihr Herz auch bei dir sein kann.

Pastor Roland Bohnen
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Roland Bohnen Pfarrer-Kreins-Str. 2 52538 Selfkant Süsterseel Telefon 02456 – 3627 Fax 02456 – 3019 pastorbohnen@me.com www.kirche-selfkant.de <www.kirche-selfkant.de/>