Du hattest nicht das Recht, die Frau deines Bruders zur Frau zu nehmen. (Joh 6,18)

04 Woche im Jahreskreis Freitag
Aus dem Heiligen Evangelium nach Markus – Mk 6,14-29
In jener Zeit hörte der König Herodes von Jesus; denn sein Name war bekannt geworden, und man sagte: Johannes der Täufer ist von den Toten auferstanden; deshalb wirken solche Kräfte in ihm.
Andere sagten: Er ist Elija. Wieder andere: Er ist ein Prophet, wie einer von den alten Propheten.
Als aber Herodes von ihm hörte, sagte er: Johannes, den ich enthaupten ließ, ist auferstanden.
Herodes hatte nämlich Johannes festnehmen und ins Gefängnis werfen lassen. Schuld daran war Herodias, die Frau seines Bruders Philippus, die er geheiratet hatte.
Denn Johannes hatte zu Herodes gesagt: Du hattest nicht das Recht, die Frau deines Bruders zur Frau zu nehmen.
Herodias verzieh ihm das nicht und wollte ihn töten lassen. Sie konnte ihren Plan aber nicht durchsetzen,
denn Herodes fürchtete sich vor Johannes, weil er wusste, dass dieser ein gerechter und heiliger Mann war. Darum schützte er ihn. Sooft er mit ihm sprach, wurde er unruhig und ratlos, und doch hörte er ihm gern zu.
Eines Tages ergab sich für Herodias eine günstige Gelegenheit. An seinem Geburtstag lud Herodes seine Hofbeamten und Offiziere zusammen mit den vornehmsten Bürgern von Galiläa zu einem Festmahl ein.
Da kam die Tochter der Herodias und tanzte, und sie gefiel dem Herodes und seinen Gästen so sehr, dass der König zu ihr sagte: Wünsch dir, was du willst; ich werde es dir geben.
Er schwor ihr sogar: Was du auch von mir verlangst, ich will es dir geben, und wenn es die Hälfte meines Reiches wäre.
Sie ging hinaus und fragte ihre Mutter: Was soll ich mir wünschen? Herodias antwortete: Den Kopf des Täufers Johannes.
Da lief das Mädchen zum König hinein und sagte: Ich will, dass du mir sofort auf einer Schale den Kopf des Täufers Johannes bringen lässt.
Da wurde der König sehr traurig, aber weil er vor allen Gästen einen Schwur geleistet hatte, wollte er ihren Wunsch nicht ablehnen.
Deshalb befahl er einem Scharfrichter, sofort ins Gefängnis zu gehen und den Kopf des Täufers herzubringen. Der Scharfrichter ging und enthauptete Johannes.
Dann brachte er den Kopf auf einer Schale, gab ihn dem Mädchen, und das Mädchen gab ihn seiner Mutter.
Als die Jünger des Johannes das hörten, kamen sie, holten seinen Leichnam und legten ihn in ein Grab.

Tagesimpuls:

Du hattest nicht das Recht, die Frau deines Bruders zur Frau zu nehmen. (Joh 6,18)

In diesem Evangelium geht es sehr stark um das sechste Gebot. Wir bekommen vor Augen geführt, dass man keineswegs sagen darf: „Kann denn Liebe Sünde sein?“, wie es in einem alten Lied heißt. Wir müssen deutlich sagen: Ja, das, was die Menschen alles Liebe nennen, kann durchaus Sünde sein, und es ist sogar sehr gefährlich, denn es zerstört Leben. Es kann, wie wir hier sehen, im Ende sogar zu Hass führen, der das Leben vieler Menschen zerstört. Die traurigen Folgen der Übertretungen des sechsten Gebots sehen wir heute in vielen Familien. Wir sehen deutlich, was alles geschieht, wenn die Menschen sich nicht mehr an die moralische Ordnung Gottes halten.

Du hattest nicht das Recht, die Frau deines Bruders zur Frau zu nehmen.

Das Thema Ehebruch kommt gleich zweimal vor in diesem Evangelium. Nicht nur der Ehebruch des Herodes, auch das lüsterne Anschauen der Tochter der Herodias beim Tanzen wirkt sich verhängnisvoll aus. Wir denken an Jesu Wort aus der Bergpredigt: „Jeder, der eine Frau lüstern ansieht, hat in seinem Herzen schon Ehebruch begangen“ (Mt 5,28). Wir erkennen, wie alles zusammenwirkt. Das Abbrechen der moralischen Schranken auf allen Ebenen führt letztlich zu immer mehr Ehebruch. Ich weiß nicht, ob es irgendwann eine Gegenbewegung geben wird, oder ob unsere Gesellschaft sich letztendlich selber auflösen wird. Aber eins ist sicher: ein „ehebrecherisches Geschlecht“ (vgl. Mt 16,4) kann auf die Dauer keinen Bestand haben. Eine Gesellschaft ohne Moral muss auf die Dauer zugrunde gehen.

Du hattest nicht das Recht, die Frau deines Bruders zur Frau zu nehmen.

Aber wir richten unsere Gesellschaft nicht auf durch Moral-Predigen. Die Menschen müssen zuerst eine Erfahrung mit Gott machen und zu Jesus umkehren. Wir müssen den Grundwasserspiegel des Glaubens in unserer Gesellschaft erhöhen, dann wird sich das auch auf die Moral auswirken. Wir brauchen den Schutz, der durch die tiefe Verwurzelung im Glauben an Jesus geschenkt wird. Und da können wir nur bei uns selber anfangen. Wir können die Türen für die Gnade öffnen, indem wir intensiv aus den Sakramenten leben, denn die Sakramente sind die größten Türen für die Gnade, die wir haben. Jeder von uns kann den Grundwasserspiegel des Glaubens in unserer Gesellschaft erhöhen durch sein eigenes Leben. Damit können wir sehr viel erreichen, mehr als durch Moralpredigten. Und ich persönlich würde auch immer wieder meine Familie Maria weihen, dass sie alle beschützen möge. Und wenn es möglich ist, dann motiviere ich natürlich meine Familienangehörigen dazu, sich tiefer mit Jesus zu verbinden. Aber man kann keinen zwingen. Wir können nur bei uns selber anfangen.

Gebet:
Jesus, ich danke dir, dass du uns viel Hoffnung schenkst. Es ist noch nicht alles verloren. Wir können den Grundwasserspiegel des Glaubens erhöhen in unserer Gesellschaft, indem wir beten, tief verwurzelt sind im Glauben, fest und beständig aus den Sakramenten leben und immer wieder alle an Maria weihen, um ihren Einfluss zu stärken in unserer Gesellschaft. Ich bete für eine Trendwende in der Moral. Ich bete für eine Trendwende in unserer Gesellschaft. Jesus, hilf uns allen, umzukehren, und wir wollen bei uns selber beginnen.

Pastor Roland Bohnen
www.tagesimpuls.org

Roland Bohnen Pfarrer-Kreins-Str. 2 52538 Selfkant Süsterseel Telefon 02456 – 3627 Fax 02456 – 3019 pastorbohnen@me.com www.kirche-selfkant.de <www.kirche-selfkant.de/>