Heilig-Kreuzkapelle Höngen-Bird

 

Willi Hostenbach 

berichtet heute von der Kapelle in Höngen Bird. Ergänzt durch einen Beitrag von Gottfried Engendahl, der für das Archiv der Schützenbruderschaft Höngen die Geschichte der Kapelle aufgeschrieben hat.

Die „Heilig Kreuz Kapelle“ hat ihren Standort an der Birder Straße, im Ortsteil Höngen, in der Gemeinde Selfkant. Sie steht als Denkmal Nr. 49 in der Denkmalsliste der Gemeinde Selfkant unter Denkmalschutz.

Die Kapelle wurde 1859 von den Bewohnern Bird, Krouw und Laak errichtet. Wegen ihres Standortes an der Birder Straße wird sie auch Birder Kapelle genannt. Sie dient dem gemeinsamen Rosenkranzgebet an den Sommer-Sonntagen und zur Totenwache.

Die Kapelle ist ein kleiner Backsteinbau in den Maßen 9 mal 5 Metern und einer Höhe von ca. 10 Metern. Das kleine Gotteshaus hat eine rechteckige Eingangstür, über der im Giebeldreieck ein Kruzifix angebracht ist. Das Satteldach ist von einem vierseitigen Dachreiter mit einem vierseitigen Helm überbaut. Ein Turmkreuz mit einem Wetterhahn bekrönt die Kapelle. Als Ausstattungsstücke befinden sich in der Kapelle ein Altar, eine Marienmadonna sowie mehrere Heiligenfiguren. Im Dachreiter befindet sich eine Glocke.

An ortsgeschichtlicher Bedeutung gewann das kleine Gotteshaus auch, weil direkt an der Kapelle ein sogenanntes Spritzenhaus für die Gerätschaften der behelfsmäßig eingerichteten Feuerwehr errichtet wurde. In diesem Anbau befanden sich auch für straffällig gewordenen Personen Arrestzellen. Nachfolgendes Gedicht wurde in der Schulchronik Höngen gefunden und von Willi Hochstenbach bearbeitet:

Hett Birder Kapellke

Vüer ungevi-er 125 Joahr, off sue gett, voole opp d´ Bird een Deel Lüj uut hett Bett. Die hauwe allemoal d´r selvde Droom: Sie wolle buwe eene gruete Dom. Merr uut d´ Dom wuert een Kapellke, doa gunge se bäe mit Pitter enn Nelke. D´ Lüj packde düchtig mit aan Enn buwde ooch noch een Spritzehüsske draan. Merr datt Spritzehüsske hauw geene Sinn; Doa ging joa doch geene´eene drin. D´ Lüj ginge  li-ever noa d´ Kapell Enn bäede doa mit Pitter enn Nell. Noa d´ Kreeg woar alles kapott, selvs hett Kapellke hauw vöel geleje; merr datt höbbe d´ Birder alles bestreje. Männnig Müederke enn Väederke häet doa gebäet Enn vüere opp d´ Pleij vunj man ooch noch een Gespräek. D´ Lüj vertelde van vröger uut d´ auwe Tied; D´ Hahn opp d´ Tuere kri-eg ooch noch alles mit. Däe Hahn beki-ek sich d´ Welt Enn dri-ede sich lustig in d´ Wenjd. In d´ Kreeg hauwe se höem aafgeschoate; biej d´ Schmi-ed höbbe se höem wejer ingegoate. Van duw aan steht häe äeve trow En waakt üever d´ Bird enn üever d´ Krow. Vröger in d´ Suemer wuert hett si-ehr heet, daoa kri-eg hett Kappelke een nüj Kleed. Hett wuert mit Kränz, Vahne enn Bloome behange; d´ Pastuer koom mit hett Allerheiligste aangegange. Man huert all vann Wiets d´ Trumm enn d´ Flööt; doa hauwe d´ Lüj i-esch d´ Teppich greet Triumpfböech, Brunkpöehl enn Rieser wurete aavgestellt enn datt vür uesen Hi-ergott enn sien schuene Welt.

Von der Schützenbruderschaft Höngen erfahren wir:

„Leider wissen wir über den Bau der Birder Kapelle sehr wenig. Im Krieg sind die Unterlagen wohl verschollen. In den mündlichen Überlieferungen finden sich keine Geschichten zur Kapelle. Heute wissen wir, dass schon lange vor dieser Kapelle eine kleinere dort gestanden hat und zuvor befand sich dort nur ein Kreuz. Der Grund warum die Kapelle errichte wurde liegt im Dunkeln. Die Kapelle trägt den Namen: ‚Kapelle zum Heiligen Kreuz‘. Deshalb befindet sich im Giebel der Kapelle ein großes Kreuz.

Die erste urkundliche Erwähnung einer Birder Kapelle finden wir im Direktorium des Pfarrers Rees: „Weiter ging es zur zweiten Station nach Bird zur Kapelle vom Heiligen Kreuz, früher stand hier nur ein Kreuz.“

Bei seiner Beschreibung der Prozessionswege wird schon 1781 diese Kapelle als Station mit ihrem Namen genannt. (aus Direktorium Pf. Rees Festschrift Schützenbruderschaft Hoengen 2004 A.M.M.P. Janssen.) Dieser Name ging im Laufe der letzten Jahrzehnte verloren und konnte durch die Nachforschungen der Bruderschaft, der Kapelle wieder gegeben werden. 

Errichtet wurde die heutige Kapelle 1859, wie man an der Stirnseite lesen kann. Von den wenigen Überlieferungen können wir sagen, dass die Kapelle wohl auf Gemeindegrund, vielleicht der Almende der Bird, errichtet wurde. Vor der Kapelle befand sich ursprünglich ein großer Teich, man erkennt es heute noch daran, dass die Häuser der Birderstraße dort einen Bogen machen. Den Teich kann man auf der Tranchokarte noch erkennen. In einem Anbau, hinter der Kapelle stand das Spritzenhaus, (Feuerwehrgerätehaus). In diesem Gebäude befand sich noch nach dem Krieg die handbetriebene Feuerwehrpumpe. Auch diente dieses Gebäude zur Inhaftierung von Landstreichern, die anderntags meist wieder freigelassen wurden.

Im 2. Weltkrieg wurde die Birder Kapelle stark beschädigt. Die ehemalige Kreuzgewölbedecke musste entfernt werden. Es wurde eine gerade Plafondecke eingebaut. Zur 125Jahrfeier wurde die Kapelle restauriert und eine schönere Gewölbedecke vom Putzerbetrieb Wellens eingebaut. Mit dieser Decke kommt die Höhe des Raumes besser zur Geltung.

Während der Kriegshandlungen, Winter 1944/1945, wurden vor der Kapelle zwei Zivilopfer und zwei deutsche Soldaten beerdigt. Die Soldaten wurden später auf den Ehrenfriedhof in Wehr umgebettet.

Die Kapelle diente in all den Jahren der Birder Bevölkerung als Andachts- und Betstelle. Dort werden für die Toten vom Bird die Betstunden gehalten. Bei der Fronleichnamsprozession wurde dort alle zwei Jahre Station gemacht. Festlich geschmückt bot die Kapelle immer wieder einen schönen Anblick.

1959 wurde mit einem Fest das Hundertjährige Bestehen der Kapelle gefeiert und 1984 das 125-Jährige. 2009 feierte man das 150-Jährige. Zur Erinnerung an diese Feier stiftete die Bruderschaft eine Gedenktafel mit der Geschichte des Birdhasen, in Platt und Hochdeutsch.

Der verstorbene Ernst August Schulz gedachte dieser Kapelle; er malte und stiftete für die St. Johannes Baptist Schützenbruderschaft Hoengen eine Schwenkfahne mit einem Bild der Birder Kapelle“. G. Engendahl, 15.07.2009

Für den Frieden in unserer Welt betet die Kapellengemeinschaft ‚Op de Bird‘ in der Kapelle. Seit über 10 Jahren am ersten Sonntag des Monats um 13.30 Uhr.

Regelmäßig wird der Gebetsraum von der ‚Kapellengemeinschaft Bird‘ geputzt und die Außenanlage instand gehalten. Zur Belohnung und als Stärkung der Gemeinschaft gönnt sich die Gemeinschaft nach getaner Arbeit ein Stück „Fla“.

Die Aufgaben der Instandhaltung wird heute überwiegend von älteren Anwohnern wahrgenommen, die sich der Kapelle ‚Op de Bird‘ zugehörig fühlen. Spenden für außerordentliche Ausgaben, die dem Unterhalt der Kapelle dienen, werden überwiegend innerhalb der Kapellengemeinschaft eingesammelt.

Beeindruckend ist, dass es der Kapellengemeinschaft gelingt, auch Kinder mit der Kapelle vertraut zu machen. Jährlich wird in der Vorweihnachtszeit ein Tannenbaum aufgestellt, der von Kindern aus der Nachbarschaft mit selbstgefertigten Sternen geschmückt wird. Damit werden die Kinder herangeführt, den Gebetsraum mit zu verschönern, und diesen Gebetsraum als einen Ort kennenzulernen, indem Anliegen, Wünsche und Hoffnungen im stillen Gebet geäußert werden dürfen.

Das die Kapelle immer mit Blumen geschmückt ist, dafür sorgen Anwohner, indem sie Eisenschrott sammeln und das daraus gewonnene Geld dafür einsetzen.

Auf Wunsch der Kapellengemeinschaft und der Anlieger ist die Kapelle von früh morgens bis in die späten Abendstunden geöffnet. Dadurch wird vielen die Gelegenheit gegeben, an diesem besonderen Ort, sich mit seinen Anliegen an Gott zu wenden.

Auch Zuwanderer haben diesen Ort des Gebets bereits kennen und schätzen gelernt. Im Eingangsbereich ist auf einem Tischchen, eine aus Polen mitgebrachte kleine ‚Hl.-Maria‘ aufgestellt und geschmückt worden, um auch an diesem Ort die Muttergottes zu ehren.

Für das Seelsorgeteam F.-J. Stoffels