Kapelle „Maria am Bach“ in Wehr

Das Jahr 1984 stand in der Selfkantortschaft Wehr ganz im Zeichen des goldenen Priesterjubiläums des Seelsorgers und Pastors Leonard van Marrewijk (SCJ.), welches der Jubilar am 15. Juli des genannten Jahres feiern wollte. Am Nachmittag gegen 15.30 Uhr sollte dem Ortsgeistlichen ein Geschenk der Pfarrangehörigen, des Pfarrvorstandes und des Kirchenvorstandes überreicht werden. So die ersten Planspiele. Doch Pastor Leonard van Marrewijk kam dem Verantwortlichen und Planern zuvor. Sein größter Wunsch war es, für die Ortschaft Wehr eine kleine Kapelle zu bauen, wohin die Pfarrangehörigen pilgern und ihre persönlichen Anliegen der Gottesmutter empfehlen konnten. Dieser Wunsch wurde vielfach von den Befürwortern und auch von der Gegenseite abgewägt. Doch einige verantwortliche Personen ergriffen die Initiative. Gerhard Meurers zeichnete eine Anzahl von Skizzen; Konrad Severins entwickelte und plante die ersten Arbeitsschritte. Dr. Fritz Montz aus Tüddern, selbst ein ehemaliger Wehrer, stellte einen kleinen Teil seines Grundstückes als Bauplatz zur Verfügung, so dass im Laufe der nächsten Monate am Ufer des Rodebachs eine kleine und wunderschöne Kapelle errichtet werden konnte. Die Anfertigung einer Madonnenfigur als Ausstattungsstück für das Kapellchen wurde beim Holzschnitzer Kurt Preuß, wohnhaft in Stahe, in Auftrag gegeben. Die Ausgestaltung der Kapelle zeigt heute eine Kreuzabnahme mit der Pieta und den Figuren des Johannes und der Maria Magdalena. So konnte die Wehrer Bevölkerung dann am 15. Juli 1984 gemeinsam mit ihrem Seelsorger Leonard van Marrewijk das goldene Priesterjubiläum feiern. Nach einer kurzen Prozession, dem Vortragen von Liedern und Gedichten von Kindern des Kindergartens, wurde die kleine Kapelle als Geschenk dem Jubilar vom Ortsvorsteher Karl Krewel offiziell angeboten. Der Jubilar selbst segnete Kapelle und auch die Heiligenfiguren feierlich ein, die bis dahin mit einem Tuch verhüllt waren und jetzt für alle sichtbar wurden. Nach einer Andacht endete die Jubiläumsfeier mit einem Umzug aller Ortsvereine. Als Bezeichnung für das kleine Gotteshaus wählte man den Namen „Maria am Bach“.

Heute wird die Kapelle von Marianne Jütten und Heinz Cremers betreut, denen ich vor kurzem einen Besuch abstatten durfte, um noch mehr über die Kapelle ‚am Bach‘ zu erfahren. Sie wurde mit viel Eigenleistung aus der Bevölkerung und durch Spenden finanziert. So spendete der Gesangverein die Gedenktafel mit der Inschrift zum Jubiläum, die Schützen die Kniebank und Pater van Marrewijk die Marienstatue. Die Außenbänke wurden von Raiffeisenbank und Sparkasse gestiftet.

Zunächst betreuten Maria Pelzer-Kessels und Konrad Severins mit einer Gruppe von Helfern die Kapelle. Daraus wurde der Kapellenverein gegründet. Die Anzahl der Mitglieder wurde im Laufe der Jahre geringer; heute besteht der Verein aus sechs Mitgliedern. Die Einnahmen aus dem Geld für Opferkerzen werden regelmäßig guten Zwecken zugeführt: Für die Mission, aber auch manchmal für hiesige Zwecke, wie z.B. für die Anschaffung des elektrischen Geläuts der Kirche oder für Ausstattung des Pfarrheims und des Schützenheims. Natürlich werden von diesen Geldern auch notwendige Reparatur- und Instandhaltungsmaßnahmen durchgeführt.

Leider hat es auch immer wieder Vandalismus an der Kapelle gegeben. Mehrmals wurden Opferstock, Mauerwerk oder die Kniebank beschädigt. Die Kniebank hat sogar schon einmal im Bach gelegen, berichtet Herr Cremers. Trotzdem lassen sich Marianne Jütten und Heinz Cremers ihre Freude an der Betreuung der ‚Kapelle am Bach‘ nicht nehmen, und dafür spreche ich ihnen meinen aller herzlichsten Dank aus!

Als Vorkehrung gegen den Vandalismus wurde 1998 die schmiedeeiserne Außentür eingebaut, die aber nur nachts abgeschlossen wird. Tagsüber ist die Kapelle immer geöffnet. Sie ist ein beliebter Ort, wo Radfahrer und Spaziergänger innehalten können. Sie liegt verkehrsgünstig am Kontenpunkt der Radwege. Ebenso schätzen Rentner die friedliche Atmosphäre der Kapelle am Bach, die gleich am Waldrand gelegen ist. Oft findet man sie dort in froher Runde auf den Bänken sitzen und erzählen. Möge die Muttergottes alle Menschen segnen, die dort ankommen, seien es Radfahrer oder Wanderer auf dem Weg, seien es die Dorfbewohner bei ihren Spaziergängen oder Kinder beim Spielen, oder auch die Rentner bei ihrem gemütlichen Beisammensein.

 

Pastor Roland Bohnen