„Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom“

Sei, wer du bist! Höre auf die Stimme deines Herzens und lass dich nicht vom Strom der Mehrheit bestimmen!

Liebe Gemeindemitglieder,

diesen provokativen Satz möchte ich einmal in den Raum stellen, für uns alle zum Nachdenken. Vielleicht formuliere ich es überspitzt, aber es soll zum weiteren Nachdenken und Gespräch anregen. Ich glaube, wir brauchen eine neue Kultur der Freiheit, wo man sich loslösen kann vom Strom der Masse, ohne Angst zu haben, deswegen kritisiert oder abgelehnt zu werden. Haben Sie nicht auch schon oft gehört: „Das macht man nicht!“ Aber wer ist dieses „Man“? Es ist die Mehrheit der Bevölkerung, die unbewusst den Ton angibt, was man zu tun oder nicht zu tun hat. Danach richtet man sich, und wenn man aus diesem Rahmen fällt, hat man ein schlechtes Gefühl.

Aber warum sollen wir uns schöne und wertvolle Dinge im Leben verderben lassen, nur, weil die Mehrheit uns scheinbar ein Gefühl gibt, dass wir bestimmte Dinge nicht dürften. Wenn mir z.B. mein Herz sagt, dass ich mich in der Kirche wohl gefühlt habe, dass mir die Gottesdienste und die Gemeinschaft gut getan haben, warum kann ich dann nicht öfter in die Kirche gehen, auch wenn mein Kopf – geprägt durch den Strom der Masse – sagt, dass man nur Ostern und Weihnachten gehen muss, und wenn ein besonderer Anlass ist, wie z.B. eine Beerdigung oder eine Kinderkommunion. Ich meine, wir alle sollten uns die Freiheit nehmen, auf unser Herz zu hören, und nicht auf die Stimme der Masse, die sich in unserem Kopf festgesetzt hat. Mir erzählte tatsächlich jemand, dass er nach der Messe angesprochen wurde: „Was machst du denn in der Messe? Eure Kommunion ist doch schon längst vorbei?“ Das mag ein Einzelfall sein, aber schon zweimal wurde ich von Kommunionkindern gefragt: „Dürfen wir denn, wenn die Kommunion vorbei ist, trotzdem noch mal in die Kirche kommen?“ Das zeigt doch, mit welchem Denken die Kinder aufwachsen. Vor der Kommunion geht „man“ in die Kirche, danach nicht mehr.

Aber es bringt niemandem etwas, auf die anderen zu zeigen. Jeder kann sich nur an seiner Stelle, dort wo er lebt, für eine solche neue Kultur der Freiheit einsetzen. Folgen wir unserem Herzen! Tun wir das, was unser Herz uns sagt! Vielleicht können wir den ein oder anderen darin auch unterstützen. Je mehr wir diese Freiheit für uns finden, umso mehr kann es mit der Kirche wieder bergauf gehen.

 

Ihr Pastor Roland Bohnen