PFARRBRIEF – VORWORT

Liebe Leserinnen und Leser,
in diesem Monat feiere ich mein 20jähriges Dienstjubiläum als Seelsorgerin. 17 Jahre davon bin ich im Selfkant tätig. Das ist eine ganz schön lange Zeit, in der sich vieles entwickeln konnte.
Hier einige Blitzlichter: Die Weihnachtspäckchenaktion war 2004 das erste neue Projekt, dass ich mit ins Leben gerufen habe. Seitdem wurden fast 10.000 Päckchen für bedürftige Kinder nach Rumänien
geschickt – in Kooperation mit dem Missionskreis Osteuropa.
Die Zusammenarbeit mit den Schulen hat mir von Beginn an viel Freude bereitet. Die lebendigen Schulgottesdienste sind der beste Start in den Tag – auch für mich.
Seit vielen Jahren bin ich geistliche Begleiterin in der Wohnstätte der Lebenshilfe in Höngen. Ich erlebe, wie positiv die Bewohner ihr Leben meistern und wie zugewandt die MitarbeiterInnen sich engagieren. Die
gemeinsamen Gottesdienste und unseren jährlichen Pilgerweg sind für mich bewegend und bereichernd.
Ein Schwerpunkt meiner Arbeit ist die spirituelle Erwachsenenbildung. Aus den Erfahrungen zahlreicher Bildungsangebote entstand etwas Neues, dass ich initiiert und mit aufgebaut habe: die Meditationspfade
Blickweite. Sie inspirieren Menschen, sich neu mit sich selbst und ihrem Glauben auseinanderzusetzen und sind über die Grenzen der Region hinaus bekannt.
Besondere Highlights waren vor allem die beiden Gruppenreisen ins Hl. Land. Diese Eindrücke und Begegnungen bleiben lebendig. WeggefährtInnen Es waren unzählige Menschen, mit denen ich gemeinsam unterwegs war und bin: die Mitglieder des Pastoralteams, die Pfarrsekretärinnen und Verwaltungsmitarbeiterinnen, Mitglieder des
GdG-Rates, Küster, Organisten, Hausmeister, Lehrerinnen und Schüler, Erzieherinnen und Kinder, Arbeitskreise und Teams, wie z.B. Frauengemeinschaften, Einrichtungen wie z.B Altenheim Höngen, dem Caritasverband, der kommunalen Gemeinde Selfkant, KollegInnen in anderen Pfarreien und die vielen Ehrenamtlichen und
Gemeindemitglieder. Ich erlebte diese Begegnungen (mit nur wenigen Ausnahmen) sehr positiv. Dabei begegnete ich Menschen guten Willens, die sich für unseren Glauben einsetzen und bereit waren, sich gemeinsam auf den
Weg zu machen. Ein Geben und Nehmen – von beiden Seiten. Mir sind die Menschen offen und freundlich begegnet. So wurde es mir leicht gemacht, mich im Selfkant wohl zu fühlen.
Für unsere Beauftragung durch Bischof Mussinghof wählte unser Ausbildungskurs vor 20 Jahren als Leitwort ein Zitat aus dem Petrusbrief:
Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt.
Rede und Antwort stehen gehört in meinem Beruf in vielen Bereichen und Facetten zum „täglichen Brot“. Unsere Hoffnung, unseren Glauben ins Wort zu bringen, dazu sind wir alle berufen. Mein Dienst ist es, mich
gemeinsam mit anderen auf den Weg zu machen, dies in vielen Facetten in Wort und Tat, immer wieder neu „durchzubuchstabieren“. In der Seelsorge ist jeder Adressat, besonders der, der fragt, die auf der Suche ist, der Hilfe braucht. Und so wendete sich meine Arbeit an Suchende und Gefundene, an laute und leise, junge und alte, kritische, zufriedene, begeisterte und zweifelnde Stimmen. Was meinen Dienst glaubwürdig und sinn-voll macht, ist dass ich mit Gottes Hilfe – in aller menschlichen Unvollkommenheit – von Seiner Botschaft, von unserer Hoffnung, von meinem Glauben reden kann und gestalten soll, mit den Möglichkeiten, die mir zur Verfügung stehen. Dazu gehört auch, andere zu ermutigen und zu befähigen, das zu tun in Wort und Tat- mit den von Gott geschenkten Talenten und mit seiner bleibenden Hilfe und Nähe. Kirchenkrisen, negative Schlagzeilen, Kritik und der Vertrauensverlust unserer Kirche haben Spuren hinterlassen, Auseinandersetzung gefordert und Kraft gekostet. Doch ich habe nie bereut, dass ich mich mit damals 30 Jahren nochmal neu auf den Weg gemacht habe mit Theologiestudium und pastoraler Ausbildung.
Fazit:
Ich war und bin gerne Gemeindereferentin und gerne im Selfkant tätig.
An dieser Stelle möchte ich herzlich meiner Familie danken, die diesen „unbeschreiblichen“ Beruf mitträgt: die ungeregelten Arbeitszeiten, Abend- und Wochenendtermine, die Arbeit an Feiertagen. Ich danke auch Pastor Bohnen, der mir das nötige Vertrauen und den Freiraum gegeben hat, in meinen Dienst schöpferisch und authentisch wirken zu können. Gottes Segen, seine Führung, Stärkung und Begleitung waren für mich in all der Zeit immer wieder spürbar. Mit allen Höhen und Tiefen dieser Jahre fühle ich mich reich beschenkt mit unzähligen Begegnungen, Erlebnissen, Beziehungen und Freundschaften, die sich in all den Jahren entwickelt haben. Ich bin zutiefst dankbar für das gute Miteinander.
DANKE für diese guten Jahre! Gott segne Euch!

Gabriele Thönnessen, GR

Wer nochmal in Erinnerungen schwelgen möchte – in Kürze werden wir
auf unserer Homepage Fotos aus diesen 20 Jahren einstellen als Dank
und Rückblick.