Quirinuskapelle Millen

Heute berichtet uns Herr Willi Hostenbach von der Quirinuskapelle in Millen. Sie ist Bestandteil der Millener Pfarrkirche.

Quirinuskapelle Millen

Bei Renovierungsarbeiten im Kapellenbereich der Millener Kirche wurde vor Jahren die halb verdeckte Jahreszahl 1149 sichtbar. Die Quirinuskapelle ist Teil eines Seitenschiffes der Millener Pfarrkirche und mit einer Rundapsis ausgestattet. Der Bau ist teils aus Maastrichter Sandstein und teils aus grauem Bruchstein errichtet. Die erwähnte und vorspringende Rundapsis ist von außen mit Arkadenschmuck versehen.

Im Innenraum der Kapelle befindet sich ein stufenloser Altar mit einer ungewöhnlichen halbkreisförmigen Abschlussmauer. Diese führt in die Apsis hinein.

Der Baukörper der „Quirinuskapelle“ weist einige Besonderheiten auf: Er liegt um eine Stufe niedriger als die heutige „Sankt Nikolaus“ Kirche und das rückwärtige Seitenschiff. Zudem steht die Schiefwinkeligkeit der Kapelle im Gegensatz zur Rechtwinkeligkeit der Pfarrkirche. Auch stimmen die Maße der Türöffnung des kleinen Anbaues genau mit den Maßen der alten Steintür an der Südwand des Chores überein. Ein Kirchenhistoriker leitet daraus die Schlussbetrachtung ab, die Kapelle sei der älteste Teil der gesamten Kirchenanlage.

Zur jahrhundertealten Quirinusverehrung weist die Pfarrkirche einige Heiligenfiguren auf: Eine Quirinusfigur der Schützenbruderschaft aus dem Jahr 1656 und eine jüngere Quirinusfigur aus dem 18. Jahrhundert.

Informationen zur Quirinusverehrung bietet das kleine Buch des bekannten Heimatforschers und Gründer der Heimatvereinigung Selfkant Johann Grein aus Millen, mit dem Titel: „Zum 800-jährigen Jubiläum der Verehrung des hl. Quirinus in Millen“. Für dieses Buch gilt das Ausgabejahr 1926.

Auch wenn die Figur des Quirinus im Chorraum dominant im Vordergrund steht, ist die Kapelle eigentlich der Muttergottes geweiht.

Am Chorhaupt und in der Apsis ist in farbenfrohen Stuckverzierungen die Aufnahme Mariens in den Himmel dargestellt. Umrahmt ist die Muttergottes von zwei musizierenden Engeln und einer Glocke, die als Symbol für das ‚himmlische Jerusalem‘ steht.

Die Quirinus-Reliquie und Reliquien von anderen Heiligen sind seit frühester Zeit ein Anziehungspunkt für viele Pilger, womit die Millener Kirche Wallfahrtsort wurde.

 

 

Der Kirchenvorstand mit dem stv. Vorsitzenden Heinz Beckers, sowie der 40 Mitglieder zählende „Förderverein 1.000 Jahre Millener Kirche“ unter dem Vorsitz von Anton Boden kümmern sich um die Belange der Kirche. Haupteinnahmequellen für den Erhalt der Kirche und die Quirinuskapelle ist der Kirchengemeindehaushalt, als auch die Einnahmen durch Papiersammlung, Benefizkonzerte und Spenden.

 Für die gepflegte Ausstrahlung und Sauberkeit an diesem besonderen Ort sorgen die Eheleute Ursula und Klaus Wintgens.

 Aus der Familie Grein ist in 4. Generation Gotthard Grein seit Jahrzehnten Küster und Hüter der Kirche. Er betrachtet es als eine Lebensaufgabe, diesen Gnadenort in aller Würde zu erhalten. Seine Ehefrau Corry Grein unterstützt diese Arbeit durch schönen Blumenschmuck und pflegt die Tischwäsche.

 Gotthard Grein übernimmt die Anmeldungen von Pilgergruppen und macht gerne für Interessiertere die Kirchen- und Kapellenführungen. In seinen Berichten nennt er die Kirche in Millen eine „Basilika“. Neben seinem Fachwissen, dass er über Kirchenbau und Ausstattung vermittelt, lässt er gekonnt und spannend erzählt manche ‚Geschichte‘ einfließen.

 „Beispielsweise wie 1971 bei der Verlegung eines Luftschachtes der Kirchenheizung in dem Bereich der Quirinuskapelle gegraben wurde, öffnete man versehentlich eine Gruft. Nach Aussage von noch heute lebenden Zeitzeugen fand man in einem der beiden Särge einen Leichnam auf langem Haferstroh gebettet, der wie ein Abt mit langen Gewändern und mit Mitra und Stab bekleidet war. Am nächsten Morgen war er jedoch zu Staub zerfallen. Leider hat man die Gelegenheit nicht genutzt um weitere Untersuchungen vorzunehmen und den Grabkeller umgehend wieder geschlossen.“

Die Kapelle in der 1000-jährigen Kirche behält ihre eigentliche Bestimmung als Ort der Verehrung und des Gebets. Dafür sorgen viele helfende Hände in einer stabilen Dorfgemeinschaft.

Wir sind allen sehr dankbar, die sich zu diesem Gnadenort verbunden fühlen und zum Erhalt beitragen.

 

      Für das Seelsorgeteam Pastor Jose Kallupilankal