Vorwort von Pastor Bohnen

Liebe Gemeindemitglieder,

Unter der Corona Pandemie leiden immer noch sehr viele Menschen. Vielleicht kann manch einer die Rede davon schon nicht mehr hören. Ich habe auch überlegt, ob ich im Vorwort nicht etwas anderes schreiben soll. Ich bitte alle um Entschuldigung, die dieses Thema gar nicht mehr hören können.

Aber vielleicht können wir doch darüber nachdenken, was die jetzige Situation für uns als Christen bedeutet. In der Vergangenheit haben Christen auf große Krisen immer mit besonderen Gebeten reagiert. Ich denke an eine Choleraepidemie in Dalhausen im Weserbergland, dem Heimatdorf meiner Großmutter, in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Darüber gibt es noch genaue Aufzeichnungen des Pfarrers in den Kirchenbüchern, die ich vor kurzem gelesen habe. Der Pfarrer berichtet vom Elend, das er in den Häusern erlebt hatte, kranke Menschen, die teilweise auf Strohbetten gelagert und kaum noch von den Angehörigen gepflegt werden konnten. Von den ersten Anzeichen der Infektion bis zum Tod vergingen häufig nur wenige Tage. An einem Tag sind in dem kleinen Dorf sieben Menschen daran gestorben, beklagt der Pfarrer.

Aber die Männer der Gemeindeverwaltung fassten einen Beschluss. Sie wollten ein Gelübde machen. In diesem Dorf sollte in Zukunft nie mehr Karneval gefeiert werden, stattdessen sollten immer an diesen Feiertagen besondere Gebetsstunden gehalten werden vor dem Allerheiligsten. Man legte den Plan dem Pfarrer vor, der einverstanden war, und es wurde das feierliche Gelübde gemacht, welches auch schriftlich verfasst wurde. Wenige Tage danach kam die Epidemie zum Stillstand, und das Dorf atmete wieder auf. Bis heute werden an den Karnevalstagen die Anbetungsstunden gehalten, und die Menschen erinnern sich daran, was damals geschehen ist. Auf die Karnevalsfeierlichkeiten wird weiterhin verzichtet, aus Dankbarkeit für die Gebetserhörung vor so vielen Jahren.

Vor einigen Tagen bekam ich eine sehr gute Anregung von unserer Gemeindeassistentin Sylke Seefeldt, die eine neue Initiative in den sozialen Medien gegründet hat: „Katholische Frauen – Klasse!“ Wer von Ihnen die Möglichkeit hat, etwas im Internet aufzurufen, dem kann ich die monatlichen Beiträge auf www.kirche-selfkant.de wirklich empfehlen. Und diese katholischen Frauen wollen zu Gebet und Fasten aufrufen in der Fastenzeit, um Gott zu bitten, der Pandemie ein Ende zu machen.

Der ungläubige Leser mag schmunzeln bei solchen Ideen. Die wissenschaftsgläubige Welt unserer Zeit setzt mehr auf weltliche Maßnahmen statt auf Gebete, um unsere Probleme zu lösen. Aber waren unsere Vorfahren wirklich so dumm? Vielleicht haben sie es auch besser gewusst als wir heute, wenn wir heute den Glauben so sehr ausblenden aus dem normalen alltäglichen Leben. Man empört sich ja inzwischen eher über Gottesdienste, als dass man anerkennen würde, wie sehr unsere Gebete einen Einfluss nehmen auf den Gang der Dinge.

Es ruft in der Tat viel Widerspruch hervor, wenn man unter den jetzigen Bedingungen besonders offensiv zu Gottesdiensten einlädt. Aber einem Aufruf zu persönlichem Gebet und Fasten kann niemand widersprechen. Wie wäre es, wenn wir in der Fastenzeit unsere Tradition wieder aufleben lassen, und an den Freitagen ganz bewusst ein Fastenopfer bringen? Dann wird jeder Freitag in der Fastenzeit ein besonderer Gebetstag, an dem wir um das Ende der Pandemie flehen.

Ihr Pastor Roland Bohnen